Ein schwerer Verkehrsunfall, zahlreiche Verletzte und zusätzlich eine Schadstofflage stellten am Samstag, dem 19. September 2026, die Einsatzkräfte in Kirchberg an der Raab vor große Herausforderungen. Die Großübung war Teil eines hochkarätigen Ausbildungswochenendes für (Leitende) Notärztinnen und Notärzte aus ganz Österreich. Der mittlerweile siebente „Notarzt-Refresher“ verbindet medizinische Fortbildung mit realitätsnahen Einsatzszenarien. Feuerwehr, Rotes Kreuz und das LKH Oststeiermark, Standort Feldbach, trainierten dabei gemeinsam für den Ernstfall. Rund 80 Feuerwehrkräfte waren vor und hinter den Kulissen im Einsatz.
Bereits zum 7.Mal wurde dieses besondere Fortbildungsformat in Kirchberg an der Raab durchgeführt. Der „Notarzt-Refresher“ richtete sich an Notärztinnen und Notärzte sowie Leitende Notärztinnen und Notärzte aus ganz Österreich und verband medizinische Fortbildung mit praktischer Arbeit unter möglichst realistischen Einsatzbedingungen. Die Veranstaltung ist als ärztliche Fortbildung im Rahmen des Diplom-Fortbildungs-Programms anerkannt. Für die Teilnahme wurden entsprechende Fortbildungspunkte vergeben. Heuer nahmen auch acht Militärärzte am Ausbildungswochenende teil. Für die praktischen Einheiten standen neben geschminkten Darstellerinnen und Darstellern auch hochwertige medizinische Trainingspuppen zur Verfügung. Diese können unterschiedliche medizinische Zustände simulieren und unter anderem auf gesetzte Maßnahmen und Medikamentengaben reagieren. Dadurch konnten medizinische Entscheidungen und Behandlungen unter realitätsnahen Bedingungen trainiert werden.
Großunfall fordert alle Organisationen
Ein Höhepunkt des Ausbildungswochenendes war die organisationsübergreifende Großübung am Samstag. Ausgangspunkt war ein schwerer Verkehrsunfall mit einem Reisebus und einem weiteren Fahrzeug. Rund 50 waren betroffen. Im Verlauf des Einsatzes wurden die Kräfte zusätzlich mit einer Schadstofflage konfrontiert. Für die teilnehmenden Notärztinnen und Notärzte ging es dabei nicht nur um die individuelle Versorgung einzelner Verletzter. Trainiert wurden insbesondere die Sichtung und Priorisierung einer großen Zahl von Patientinnen und Patienten sowie medizinische Entscheidungen unter den besonderen Bedingungen eines Großschadensereignisses. Das ÖRK beübte parallel dazu die Bewältigung eines Massenanfalls an Verletzten und die dafür erforderlichen Führungs- und Organisationsstrukturen. Rund 50 geschminkte Darstellerinnen und Darsteller sowie eine aufwendig vorbereitete Unfallszenerie sorgten für möglichst authentische Übungsbedingungen. Entscheidend war dabei nicht nur das Funktionieren der einzelnen Organisationen, sondern vor allem deren Zusammenspiel.
Feuerwehr mit Spezialkräften gefordert
Vonseiten der Feuerwehr waren die Freiwilligen Feuerwehren Kirchberg an der Raab, Oberdorf und Studenzen mit rund 50 Kräften in das Szenario eingebunden. Aufgrund der angenommenen Schadstoffbeteiligung kam zusätzlich der Schadstoffzug des Bereichsfeuerwehrverbandes Feldbachzum Einsatz. Unter der Führung von BI d.F. Wolfgang Kotzbeck, Regionalschadstoffkommandant für die Südoststeiermark, wirkten dabei rund 20 speziell für diese Aufgaben ausgebildete und ausgerüstete Feuerwehrkräfte mit. Gemeinsam mit weiteren Kräften, die für Vorbereitung, Organisation, Logistik und Durchführung der Übung benötigt wurden, waren damit rund 80 Feuerwehrmitglieder vor und hinter den Kulissen beteiligt. Die Aufgaben der mitwirkenden Feuerwehren reichten von der Absicherung und Erkundung der Einsatzstelle über die technische Menschenrettung bis zu den erforderlichen Maßnahmen bei einer Schadstofflage. Ein wesentlicher Schwerpunkt lag auf den Schnittstellen zwischen den beteiligten Organisationen. Gerade bei einer größeren Zahl an Verletzten mussten Einsatz- und Sicherungsmaßnahmen, Personenrettung, medizinische Versorgung und der weitere Transport der Patientinnen und Patienten eng aufeinander abgestimmt werden.
Feuerwehr und Medizin eng miteinander verbunden
Organisiert wurde der Notarzt-Refresher von Dr. Christoph Castellani, Chefarzt-Stellvertreter des Roten Kreuzes Steiermark und Bereichsfeuerwehrarzt des Bereichsfeuerwehrverbandes Feldbach. Für Castellani lag eine wesentliche Stärke dieses Ausbildungsformats in der Verbindung von fundierter medizinischer Fortbildung mit möglichst realitätsnahen Einsatzbedingungen. „Gerade komplexe Schadenslagen könnten nur dann erfolgreich bewältigt werden, wenn medizinische, rettungsdienstliche und feuerwehrtechnische Abläufe nicht isoliert, sondern gemeinsam trainiert werden. Eine Besonderheit ist dabei auch, dass manche der teilnehmenden Medizinerinnen und Mediziner selbst Feuerwehrmitglieder sind. Sie kennen damit unterschiedliche Seiten eines Einsatzgeschehens und können sowohl medizinische als auch feuerwehrfachliche Erfahrungen einbringen.“
Die FF Kirchberg an der Raab ist seit Beginn dieses Fortbildungsformats eng in dessen Vorbereitung und Durchführung eingebunden. „Der Notarzt-Refresher ist mittlerweile weit mehr als eine einzelne Großübung. Hier kommen hochqualifizierte medizinische Ausbildung und praktische Einsatzarbeit zusammen. Für uns als Feuerwehr ist besonders wertvoll, dass wir gemeinsam mit Notärzten und Rettungsdienst unter sehr realistischen Bedingungen arbeiten können. Im Ernstfall muss jeder seine Aufgabe beherrschen, gleichzeitig müssen wir wissen, was die anderen brauchen und wie wir uns gegenseitig unterstützen können. Genau dieses Zusammenspiel trainieren wir hier“, betonte HBI Wolfgang Dirnbauer, Kommandant der FF Kirchberg an der Raab und Co-Organisator.
Am Sonntag wechselten die Perspektiven
Nach dem Großunfallszenario am Samstag wurde das Ausbildungswochenende am Sonntag mit drei weiteren Einsatzlagen fortgesetzt. Dabei wartete auf die teilnehmenden Notärztinnen und Notärzte eine besondere Herausforderung. Sie wurden nicht nur medizinisch gefordert, sondern mussten teilweise selbst Aufgaben übernehmen, die an der Einsatzstelle üblicherweise von Feuerwehrkräften durchgeführt werden. Bei einem komplexen Verkehrsunfall mit einem Forstanhänger waren technische Maßnahmen ebenso gefragt wie die Rettung und Versorgung verletzter Personen. Ein weiteres Szenario führte die Teilnehmenden in den Forst- und Jagdbereich. Dort wurde vom Organisationsteam eine besondere Rettungssituation vorbereitet, bei der auch ein verunfallter Fallschirmspringer eine Rolle spielte. Die dritte Übungslage führte zum örtlichen Bauhof. Dort wurde ein Schadensereignis im Zusammenhang mit einer Photovoltaikanlage angenommen. Neben technischen und medizinischen Herausforderungen wurden dabei auch psychosoziale Aspekte in das Szenario eingespielt. Damit sollte bewusst eine zusätzliche Ebene geschaffen werden, wie sie Einsatzkräfte auch bei realen Ereignissen unerwartet vorfinden können.
Gerade diese unterschiedlichen Szenarien machen den besonderen Charakter des „Notarzt-Refreshers“ aus. Entscheidungen müssen nicht im geschützten Umfeld eines Schulungsraums, sondern unter einsatznahen Bedingungen getroffen werden. Gleichzeitig lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen und Gefahren der technischen (Menschen)Rettung kennen. Ziel des gesamten Ausbildungs-, Trainings- und Prüfungswochenendes ist es, Einsatzabläufe unter möglichst realistischen Bedingungen zu trainieren, voneinander zu lernen und die Zusammenarbeit jener Menschen und Organisationen zu stärken, die bei einem tatsächlichen Großschadensereignis gemeinsam gefordert sind.
BM d.V. Mario Hofer
Abschnittsbeauftragter Öffentlichkeitsarbeit
FF Petersdorf II, Abschnitt Kirchberg/Raab, Bereich Feldbach


